Kronengecko Welt
Mehlwürmer für Hühner züchten: Menge, Kosten, Rechtliches

Mehlwürmer für Hühner züchten: Menge, Kosten, Rechtliches

Mehlwürmer für Hühner züchten: lohnt sich das?

Mehlwürmer für Hühner züchten klingt nach der perfekten Selbstversorger-Idee: eine Kiste im Keller, ein bisschen Weizenkleie, und das Eiweißfutter kostet nichts mehr.

So einfach ist es nicht — aber es funktioniert, wenn du drei Dinge weißt: wie viel deine Hühner überhaupt vertragen, wo die Zucht regelmäßig scheitert, und was beim Futtermittelrecht zu beachten ist. Der Reihe nach.

Warum Hühner Mehlwürmer lieben

Hühner sind keine Vegetarier. In freier Haltung scharren sie den ganzen Tag nach Insekten, Würmern und Larven — tierisches Eiweiß gehört zu ihrer natürlichen Ernährung.

Mehlwürmer treffen das genau: proteinreich, fettreich, und für ein Huhn schlicht das Beste, was der Tag zu bieten hat. Besonders geschätzt werden sie in der Mauser, wenn der Federwechsel viel Eiweiß kostet und die Legeleistung ohnehin einbricht.

Dazu kommt der praktische Nebeneffekt: Kaum etwas eignet sich besser, um Hühner zahm zu bekommen oder abends in den Stall zu locken.

Wie viele Mehlwürmer darf ein Huhn bekommen?

Das ist die wichtigste Frage in diesem Artikel, und die Antwort lautet: deutlich weniger, als du denkst.

Mehlwürmer sind ein Leckerbissen, kein Grundfutter. Sie sind fettreich und haben ein ungünstiges Verhältnis von Kalzium zu Phosphor — für ein Tier, das täglich eine Eischale bilden muss, ist das kein Nebendetail. Zu viel davon macht Hühner dick und geht auf Kosten der Legeleistung.

Als Faustregel gilt: Leckerlis aller Art zusammen sollten etwa ein Zehntel der Tagesration nicht überschreiten. Für ein Huhn sind das eine kleine Handvoll Mehlwürmer, nicht eine Schüssel.

Das Grundfutter bleibt Legekorn oder Legemehl. Die Mehlwürmer kommen obendrauf.

Lohnt sich das Selberzüchten? Eine ehrliche Rechnung

Getrocknete Mehlwürmer kosten im Handel je nach Menge grob zwischen 15 und 25 Euro pro Kilo. Wenn deine drei Hühner täglich eine kleine Handvoll bekommen, kommst du mit einem Kilo weit.

Rein wirtschaftlich rechnet sich eine Hobbyzucht damit kaum. Du brauchst mehrere Boxen, einen warmen Platz und vor allem Zeit: Vom Ei bis zum verfütterbaren Wurm vergehen bei Zimmertemperatur Monate.

Es lohnt sich aus anderen Gründen. Du weißt, was in deinen Würmern steckt. Du bist unabhängig von Lieferzeiten und Preisen. Du fütterst lebend statt getrocknet — was für die Hühner der interessantere Teil ist. Und es macht schlicht Freude, den Kreislauf selbst zu schließen.

Wer dagegen zwanzig Hühner versorgt und ernsthaft Futterkosten senken will, sollte sich eher die Schwarze Soldatenfliege ansehen. Die frisst Küchenabfälle statt Getreide und ist in zwei Wochen erntereif statt in Monaten.

Was du für den Einstieg brauchst

  • Zwei bis vier flache Plastikboxen mit glatten Wänden
  • Weizenkleie als Substrat und Grundfutter
  • Karotten oder Äpfel als Feuchtigkeitsquelle
  • Startlarven aus dem Handel
  • Einen warmen Platz — Keller, Abstellraum, Heizungsraum

Einen Deckel brauchst du nicht: Mehlkäfer und Larven klettern keine glatten, senkrechten Wände hoch.

Den kompletten Ablauf mit allen Schritten findest du in meiner Anleitung zur Mehlwurmzucht. Hier geht es um die Punkte, die speziell für Hühnerhalter zählen.

Der Haken, an dem die meisten scheitern

Wer eine Kiste ansetzt und ein halbes Jahr später kaum mehr Würmer hat als am Anfang, hat fast immer dasselbe Problem: Die Käfer fressen ihre eigenen Eier.

Mehlkäfer legen ihre Eier ins Substrat und fressen einen erheblichen Teil davon wieder auf. Die Larven im selben Behälter machen mit. Man sieht es nicht — man merkt es Monate später daran, dass nichts nachkommt.

Die Lösung nutzt die Biologie: Das Weibchen schiebt die Eier mit einem Legestachel durch ein feines Gitter hindurch. Der Käfer selbst passt nicht durch. Legen ja, Fressen nein.

Fertige Lösung: Die Mehlwurm Zuchtbox wird mit Kleie gefüllt, mit dem Gitterdeckel verschlossen und zu den Käfern gestellt. Nach einer Woche tauschst du sie gegen eine frische. Was drin ist, ist ein kompletter Satz Eier — geschützt vor den eigenen Eltern.

Gerade für Hühnerhalter macht das den Unterschied. Hühner brauchen dauerhaft Mengen, und eine Zucht, die sich selbst auffrisst, kommt da nie hinterher.

Ernten und sortieren

Nach einigen Wochen besteht das Substrat zu einem großen Teil aus feinem Kot statt aus Kleie. Spätestens dann musst du sieben.

Ein einzelnes Küchensieb hilft dabei nur bedingt: Es unterscheidet zwischen „durch“ und „nicht durch“, mehr nicht. Erst mehrere Maschenweiten übereinander trennen in einem Durchgang Kot, kleine Larven und erntereife Würmer.

Fertige Lösung: Das Mehlwurmsieb mit vier Ebenen siebt und sortiert gleichzeitig. Der Kot fällt ganz durch, die Larven bleiben nach Größe getrennt liegen.

Für Hühner nimmst du die oberste Ebene — die ausgewachsenen Würmer. Die kleineren gehen zurück in die Aufzucht.

Wichtig: Was das Futtermittelrecht sagt

Hier unterscheidet sich die Hühnerhaltung grundlegend von der Terraristik, und es lohnt sich, das einmal zu wissen.

Hühner sind lebensmittelliefernde Tiere — auch das Huhn im eigenen Garten, dessen Eier auf deinem Frühstückstisch landen. Damit fällt alles, was in diese Tiere hineingeht, unter das Futtermittelrecht. Und das gilt auch für die Insekten, die du verfütterst: Entscheidend ist, womit du sie gefüttert hast.

Für die Mehlwurmzucht ist das in der Praxis unkompliziert, weil das übliche Substrat ohnehin pflanzlich ist:

Unproblematisch: Weizenkleie, Haferflocken, Getreide, Karotten, Äpfel, Kartoffeln — also genau das, womit Mehlwürmer normalerweise gehalten werden.

Nicht geeignet: Speisereste und Küchenabfälle, insbesondere alles, was mit Fleisch oder Fisch in Berührung kam. Für Tiere in der Lebensmittelkette gelten hier deutliche Einschränkungen.

Wer seine Mehlwürmer klassisch mit Kleie und Gemüse zieht, ist auf der sicheren Seite. Wer die Zuchtbox als Bioabfall-Verwertung nutzen wollte, muss die Würmer dann eben an Reptilien oder Wildvögel verfüttern — dort bestehen diese Einschränkungen nicht.

Das ist ein Hinweis, keine Rechtsberatung. Wenn du es genau wissen willst, ist das zuständige Veterinäramt die richtige Adresse — ein Anruf, kein Verfahren.

Getrocknet oder lebend?

Getrocknete Mehlwürmer sind praktisch: lange haltbar, keine Zucht nötig, jederzeit verfügbar.

Lebende haben zwei Vorteile. Sie enthalten noch ihr Wasser, und sie bewegen sich — das löst bei Hühnern genau das Verhalten aus, für das sie gemacht sind. Wer Beschäftigung im Auslauf schaffen will, kommt an lebenden Insekten nicht vorbei.

Wenn du züchtest, hast du ohnehin lebende. Ein Teil der Ernte lässt sich trocknen und als Vorrat lagern, falls die Zucht mal einbricht.

Häufige Fragen

Wie viele Mehlwürmer pro Huhn und Tag? Eine kleine Handvoll als Leckerbissen. Leckerlis insgesamt sollten etwa ein Zehntel der Tagesration nicht überschreiten.

Sind Mehlwürmer schlecht für die Legeleistung? In Maßen nicht. In großen Mengen schon: zu fettreich, und das Kalzium-Phosphor-Verhältnis passt nicht zur Eischalenbildung.

Kann ich Mehlwürmer mit Küchenabfällen füttern? Für Reptilien und Wildvögel ja. Für Hühner, deren Eier du isst, nein — dort gelten futtermittelrechtliche Einschränkungen beim Substrat.

Wie lange dauert es, bis ich ernten kann? Von den Startlarven bis zur ersten eigenen Generation vergehen mehrere Monate. Wer schneller Ergebnisse will, ist bei der Soldatenfliege besser aufgehoben.

Fressen Hühner auch die Käfer? Ja. Wenn du deine Zucht aufrechterhalten willst, verfütterst du die Larven und lässt die Käfer in Ruhe.

0
Warenkorb
Dein Warenkorb ist leerZurück zum Shop